• LENNART GRAU – STRAINING GLORY
    LENNART GRAU – STRAINING GLORY

    SOLO EXHIBITION

    Opening Reception: May 12, 6 – 9 pm | rsvp@circleculture.com

    May 13, 11 am – 6 pm | May 15 – July 15 open by appointment

    Bismarckstr. 98 | 20253 Hamburg
    english version below

    Wir freuen uns, die Ausstellung Straining Glory von Lennart Grau zu präsentieren. In seiner zweiten Einzelausstellung am Hamburger Standort von Circle Culture zeigt der in Berlin lebende Künstler Gemälde aus seinem neuen Werkzyklus.

    Lennart Graus Gemälde skizzieren farbenprächtige Fantasiewelten. Künstlerische Anleihen aus vergangenen Epochen, insbesondere aus Rokoko, Biedermeier und Barock verleihen den Werken einen gewissen anachronistischen Charakter. In provokant kitschigen Helden- und Herrscherporträts, sinnlichen Landschaften oder üppigen Stillleben inszeniert Grau Macht und Überfluss, und lässt seine Sujets in marmorierten Strukturen aus Acryl und Öl buchstäblich auf der Bildfläche zerfließen.

    Als Vorlagen für seine Arbeiten dienen ihm Bilder, die er im Internet, in Auktionskatalogen und Kunstpublikationen findet. Dabei gilt sein Interesse Motiven, die eine visuelle Prägnanz aufweisen. Es sind meist kraftvolle Gesten oder kompositorische Elemente, die Bildern die Kraft verleihen Emotionen zu stimulieren oder Erinnerungen aufzurufen, und die der Künstler aus dem historischen Material extrahiert. Vor farblich changierenden Malgründen, die mal an textile Brokattapeten, mal an lichte Horizonte oder illusionistische Vorhänge erinnern, schafft Grau eine Bühne für seine Kompositionen, in denen er die formelhaften Fragmente zu einer verführerischen Ästhetik verdichtet.

    Die Arbeit Oversized Halo gibt eine komplexe Szenerie zu sehen: Während die zentrale Figurengruppe Assoziationen zu biblischen Motiven weckt, versprühen die sie umgebenden Personen in kämpferischer Haltung und mit wehenden Fahnen ein revolutionäres Pathos. Bildelemente wie eine antike Säule und ein Totenkopf, die in dem Geschehen wie Fremdkörper wirken, verstärken den Eindruck, dass hier nichts so recht zusammenpassen will. Die Darstellung erweist sich als Collage verschiedenster tradierter Formen und Gebärden, die in ihrem Nebeneinander den Inhalt ad absurdum führen. Der Betrachter wird zurückgeworfen auf den vordergründigen Schein, der sich als 'leere Propaganda' erweist. Indem Grau das suggestive Potenzial von Bildern vorführt, liefert er einen Hinweis auf Strategien visueller Inszenierung in Medien und Politik.

    Die in der Ausstellung präsentierten Porträts lassen die idealisierten Repräsentationen vergangener Gesellschaften wieder aufleben. Den gesellschaftlichen Rang der Protagonisten charakterisiert Grau durch prunkvolle Gewänder, zahlreiche Attribute und typische Posen; ihre Individualität bleibt hingegen hinter detaillosen Gesichtern verborgen. In ornamentalen Geschwüren aus dick aufgetragener Farbe übersteigert der Künstler die imposante Ausstattung in dem Maße, dass die Bilder vor den Augen des Betrachters zu zerschmelzen scheinen. Mit malerischen Mitteln inszeniert er das Kippmoment, die maximale Gefahr des Verlustes dessen, was glorreich errungen wurde.

    Der geradezu maßlose Einsatz von Farbe manifestiert nicht nur die ungetrübte Freude des Künstlers am Medium der Malerei, die sich auch innerhalb der Gegenständlichkeit vom Gegenstand löst und die autonome Qualität des Farbmaterials herausstellt. Graus flüchtige Szenen greifen zurück auf eine Ästhetik der Opulenz, die in der Überzeichnung verlockend wirkt und dabei im Hier und Jetzt den Betrachter zur kritischen Wahrnehmung auffordert.

    Lennart Grau (*1981 in Krefeld) hat sein Studium der Bildenden Künste als Meisterschüler bei Prof. Leiko Ikemura an der Universität der Künste Berlin abgeschlossen. Er lebt und arbeitet in Berlin.



    We are delighted to present the exhibition Straining Glory by Lennart Grau. In his second solo exhibition at Circle Culture Hamburg, the Berlin-based artist presents paintings from his current work.

    Lennart Grau's paintings describe colorful fantasy worlds. Appropriations from past periods, particularly from the Rococo, Biedermeier and Baroque, give the works a certain anachronistic character. In provokingly kitschy ruler and hero portraits, sensual landscapes or lush still lifes, Grau stages power and abundance. In marbled structures made of of acrylic and oil, his subjects seem to melt on the surface.

    In search of models for his paintings, he scours the Internet, auction catalogues and art publications. His interest thereby focuses on motifs that offer a visual pithiness: Powerful gestures or compositional elements that enable images to stimulate emotions or to recall memories of the viewer, are extracted by the artist from the historical material. Before the tonally shimmering backgrounds, which are sometimes reminiscent of brocade wallpaper, sometimes lit-up horizons or illusionistic curtains, Grau creates a stage for his compositions, where the formulaic fragments are condensed into a seductive aesthetic.

    The work
    Oversized Halo depicts a complex scene: While the central group of figures arouses associations with biblical motives, the surrounding people in combative postures and with waving flags radiate a revolutionary pathos. Objects such as an ancient column and a skull appear out of place in this scene. It turns out to be a collage of diverse traditional subjects and gestures. Juxtaposing them in one image, Grau reduces the depiction to absurdity, thus undermining the initial expectations towards the subject of the work. By visualizing the suggestive potential of images, he provides a reference to visual strategies in media and politics.

    The portraits showcased in the exhibition revive the idealized representations of past societies. Grau exposes the social rank of his protagonists through sumptuous garments, numerous attributes and typical poses; their individuality, on the other hand, remains hidden behind less detailed faces. In ornamental ulcers of thickly applied color, the artist exaggerates the imposing accoutrement to the extent that the pictures seem to melt in front of the viewer's eyes. By painterly means, he stages the tipping point, the maximum risk of loosing what was won so gloriously.

    The almost excessively use of color manifests not only the artist's unadulterated pleasure in the medium of painting, which also disengages from the representation of the object to articulate the autonomous quality of mixed paint. Grau's elusive scenes draw on a formal opulence, that seductively abducts the viewer. Transmitting it on the here and now, Lennart Grau invites us to a critical perception.

    Lennart Grau (*1981 in Krefeld) completed his studies of fine arts as an alumni of Prof Leiko Ikemura at the Berlin University of the Arts (UdK). He lives and works in Berlin.
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